Abruzzo/ Molise

Leckeres vom Lamm

Die weite Landschaft dieser Gegend mit ihren Bergen und den sanften Hügeln ist ideal für die Schafzucht. Obwohl im Sommer alles in sattem Grün erstrahlt, kann der Winter hier sehr unangenehm und gefährlich sein. Zweimal jährlich findet deshalb die „Transumanza“ statt – die Wanderung der Schaf- und Rinderherden vom Berg- und Hügelland hinunter in die Ebenen – und umgekehrt.

Seit Jahrhunderten ziehen Bauern mit ihrem Vieh am Ende des Frühlings und zu Anfang des Herbstes Hunderte von Kilometer über die Bergwiesen.

Schon zu römischen Zeiten waren Schafe ein wichtiger Lieferant von Wolle, Käse und Fleisch.

 

Schon zu römischen Zeiten waren Schafe ein wichtiger Lieferant von Wolle, Käse und Fleisch. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die Küche der Region von der Schafzucht – dem traditionellen Broterwerb der Gegend – geprägt ist.

Wer deftiges Essen und kräftige Aromen schätzt, der kommt hier auf seine Kosten, denn die Gerichte basieren zumeist auf Lamm, Schaf- oder Hammelfleisch. Das Fleisch wird nicht nur als Hauptgang gereicht, sondern auch zu Pastasaucen verarbeitet, wie zum Beispiel bei den für die Gegend typischen Maccheroni alla chitarra, breite Bandnudeln, die mit Lammragout serviert werden.

Wer diese Region besucht, sollte auf jeden Fall Agnello all’uovo e limone probieren, einen köstlichen Auflauf aus Lamm, Käse und Eiern mit einer Sauce aus Pecorino-Käse, der schon seit Jahrhunderten hier gegessen wird.

In den Trattorien findet man auch immer noch Pecora alla brigante auf der Speisekarte – saftige Lammspieße mit Kräutern gewürzt. Auch Pigneti gehört zu den altüberlieferten Rezepten für Lamm und Hammelfleisch: Bei diesem Gericht werden die Fleischstücke im Ofen in einem verschlossenen Terrakottatopf gebraten. Am meisten schätzt man hier jedoch die Innereien der Tiere, die „gnumaredd“, wie sie im regionalen Dialekt genannt werden. Probieren Sie Torcinelli (gerollte Lammkutteln gefüllt mit Leber, Bries und hartgekochtem Ei) oder die Annodate di trippa (geschmorte Kutteln gefüllt mit Gemüse und Speck).

Die Gerichte werden fast immer mit köstlichem Ziegen- oder Schafskäse serviert, begleitet von hervorragenden Weinen. Die Küche der Region ist sehr ländlich geprägt mit intensiven Aromen und Gewürzen. Auch den Safran der Gegend, der in Navelli zwischen L’Aquila und Popoli angebaut wird, sollte man auf der Reise probieren.

Vini e Oli

Kaum waren wir auf unserer TRATTORIA-TOUR in den Abruzzen angekommen, da stürzten wir uns auch schon auf die echte abruzzesische Küche.

Wir hatten von einer Trattoria in Pescara gehört, in der die von intensiven Aromen geprägten Klassiker der Region unschlagbar köstlich zubereitet werden sollen.

„Vini e Oli“ (Weine und Öle), der Name versprach gutes, traditionelles italienisches Essen und – nomen est omen!

Dachten wir jedenfalls. So kann man sich täuschen: Die erdigen Aromen der hier gereichten Speisen können es jederzeit mit den besten spanischen Restaurants aufnehmen.

Vini e Oli
Via Corfinio 30
65127 Pescara
+39 085 66092

Es schlummern zwei Seelen in der Brust des „Vini e Oli“ und passenderweise hat das Lokal auch zwei Eingänge. Die eine Tür führt zur Bar, die andere direkt in die Trattoria.

Wir werden von freundlichen Kellnern begrüßt, die eifrig ihrer Arbeit nachgehen und dabei charmant mit den Gästen scherzen. „Wollen Sie wissen, wie der Besitzer genannt wird?“ fragen sie. „Der Andalusier!“ rufen sie dann alle im Chor. Und da steht er – hinter dem Herd, gekleidet in eine weiße Küchenschürze.

Ein Bild von einem Mann! Er kommt öfter mal aus der Küche in den Gastraum auf ein Glas Wein und einen kleinen Schwatz mit seinen Gästen.

Die Kochkunst des Andalusiers ist beeindruckend. Er serviert klassische abruzzesische Gerichte, ist aber gleichzeitig unheimlich innovativ.

Die Speisekarte wechselt jeden Tag und wird mit Kreide auf eine schwarze Tafel vor der Tür geschrieben. Wenn gerade Pallotte cace e ove (kleine gebratene Bällchen aus Käse und Eiern) auf dem Menü steht, dann sollten Sie das unbedingt bestellen – es ist köstlich.

Draußen stehen Holztische mit weißen Tischsets und blank geputzten Gläsern, die im Licht der Straßenlaternen funkeln. Unter freiem Himmel schmecken die aromatischen Speisen noch einmal so gut. Durch das ständige Kommen und Gehen der Gäste, die auf einen schnellen Drink oder eine Kleinigkeit zu essen vorbeischauen, schließt man schnell neue Freundschaften mit den Tischnachbarn und diskutiert angeregt darüber, welcher Wein denn nun am besten zu dem Essen passt, das man bestellt hat.

So wie die Schafe, sozusagen die Spezialität der Gegend, gemeinsam grasen, so finden sich im „Vini e Oli“ die Leute zusammen, um einige der besten Gerichte der Stadt zu genießen.

Ristorante San Pietro

Sie essen gerne Fleisch? Dann sind Sie im „Ristorante San Pietro“ goldrichtig.

Lassen Sie sich den Weg gut beschreiben, denn das Lokal ist nicht leicht zu finden. Das liegt daran, dass die Einwohner von Molise scheinbar etwas einfallslos sind, was die Namensgebung ihrer Ortschaften und Straßen betrifft – es gibt z.B. unzählige „Via San Pietro“ in Campobasso! Wir hatten Glück.

Nachdem wir einem Einheimischen erklärt hatten, dass wir nach einer Trattoria suchen, die gute und typisch regionale Speisen serviert und von den Einheimischen selbst gerne aufgesucht wird, schickte er uns ohne zu zögern auf direktem Weg zum „Ristorante San Pietro“.

Ristorante San Pietro
Rione San Pietro 17
86100 Campobasso
+39 0874 65826

Das „San Pietro“ liegt im „Rione“ (Viertel) hinter dem Bahnübergang. Abendrobe ist nicht erforderlich, und das ist auch gut so, denn wer hier isst, der macht sich garantiert die Hände schmutzig, wenn er den letzten köstlichen Rest des zarten Grillfleisches von den Knochen nagt.

Die Grillgerichte sind zwar die Krönung der Speisekarte, aber auch die Pastagerichte sind nicht zu verachten. An zahlreichen Nachbartischen genießen die Gäste Spaghetti alla chitarra, breite Bandnudeln, die mit Lammragout serviert werden, und Pasta San Pietro, eine Spezialität des Hauses, die man am besten selbst vor Ort probieren sollte.

Dieses Lokal hat eine warme, freundliche Atmosphäre und der gute Wein, der während des Essens reichlich konsumiert wird, trägt das seine zur entspannten Stimmung bei.

Hierher kommen die Leute, weil sie wissen, dass sie immer wieder hervorragend bekocht werden. Bis spät in die Nacht hinein erklingt aus der Küche die Symphonie der Fleischerbeile und Fleischklopfer – ein Beweis, wie beliebt das Lokal ist.