Bier – Vielfalt, Fantasie und ein Platz in der Küche

Italien ist eine Weinnation, aber nicht ausschließlich. Die Römer blickten auf Cervisia, das älteste alkoholische Getränk der Welt, herab und betrachteten es als missglückten Versuch, Wein zu produzieren. Heute dagegen sprießen in Italien die Mikrobrauereien. Seit 1995 ist das Bierbrauen auch privat offiziell möglich und seitdem nehmen sich mehr und mehr Italiener dieser Kunst mit der ihnen eigenen Fantasie an. Während dem Wein etwas Kompliziertes – die Lage, der Boden – anhaftet, taugt das plebejische Bier zum Gründerboom. Es braucht keinen Hang in Südostlage und ohne Reinheitsgebot sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hier kommt die landestypische Vielfalt zum Tragen.

Vom etruskischen Bier

Die ersten Bierbrauer auf italienischem Territorium waren die Etrusker, ein antikes Volk, dessen Kultur während des ersten Jahrtausends vor Christus in Mittelitalien nachweisbar ist. Amerikanische Bierenthusiasten gingen der etruskischen Braukunst gemeinsam mit einem Molekulararchäologen auf die Spur. Den Inhalten der Keramiktöpfe aus etruskischen Gräbern zufolge waren gemalzte Gerste und Weizen die Hauptzutaten des etruskischen Biers. Für eine individuelle Geschmacksnote sorgten Haselnussmehl, Granatäpfel, Kastanienhonig, Enzian und Myrrhe. Die ersten italienischen Bierbrauer waren wohl im Mittelalter die Mönche des Klosters Montecassino. Damit steht fest, der italienische Stiefel war gar niemals eine bierfreie Zone. Der Bierenthusiasmus hier lag nur etwas länger im Dornröschenschlaf.

Bierbrauen als Handwerk

Die Italiener brachten es 2013 auf 29 Liter Bierverzehr pro Kopf und Jahr. Das liegt weit hinter den 50 Litern Weinverzehr pro Nase zurück. Der Wein ist nicht nur eigenes Kulturgut, sondern – vom Aperitif bis zum Dessertwein – auch fest in die Menüfolge integriert. Wie der Wein hat auch das Bier seinen bevorzugten Platz in der Speisefolge an der italienischen Tafel. Bier wird am liebsten zu Pizza getrunken. Eine Bierkultur entsteht vor allem an den Orten, wo Bier mit Leidenschaft und Fantasie selbst gebraut wird, um dann im eigenen Pub ausgeschenkt zu werden. Das deutsche Reinheitsgebot stößt dabei auf wenig Verständnis. Die Braumeister der birrifici artigiani (ital. handwerkliches Brauhaus) wählen zwischen Kastanien, Kräutern wie Bergamotte oder Gewürzen wie Koriander und Kreuzkümmel, um den Geschmack zu individualisieren. Mehr als 400 Mikrobrauereien soll es in Italien mittlerweile geben. Tendenz steigend.

 

Während die bekanntesten italienischen Biermarken heute zu einer der weltweit großen Bierbrauereien gehören, gibt es noch lokale biere die in italienischer Hand sind. Mit sein bestimmt bitterer Geschmack, der vom echten Hopfen herrührt gefällt er vielen Einheimischen und Touristen. Schon der Gründer des italienischen Alpenklubs soll ein Fan von Menabrea gewesen sein. Gegründet wurde diese Brauerei 1846, gemeinsam von einer Walserfamilie aus Gressoney im Aostatal und einer Familie aus Biella, einer Stadt im nördlichen Piemont am Fuße der Alpen. Dort wird das Bier auch heute noch gebraut.

 Wer über den Käse Sbirro stolpert und sich fragt, ob das irgendwas mit Bier zu tun hat, liegt richtig. Dieser Käse wird mit Menabrea hergestellt!