Frisch auf den Tisch – Campo dei Fiori

Der Campo dei Fiori ist wohl einer der berühmtesten Märkte der Welt, mitten im Zentrum Roms.Und er liegt auf dem einzigen Platz der Stadt, auf dem keine Kirche steht. Das Denkmal von Giordano Bruno auf dem Campo erinnert an die einstige Hinrichtungsstätte der Inquisitionsbehörde, wo der italienische Philosoph im Jahr 1600 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Heute findet jeden Tag von 7 bis 13.30 Uhr ein lebhafter Markt statt – geliebt und gehasst von den Römern. Was nämlich einst ein reiner Lebensmittelmarkt mit Gemüse-, Obst-, Fisch-, Fleisch- und Käseständen war, ist im Laufe der Zeit immer mehr zur Touristenattraktion geworden und hat sich entsprechend angepasst. So verschwanden nach und nach Fisch und Fleisch und machten Platz für Haushaltswaren, T-Shirts und Souvenirs. Und auch so manche Lebensmittelstände setzen auf die Touristen und verkaufen zum Beispiel schrecklichen Limoncello in kitschigen Flaschen oder bunte Nudeln in allen möglichen (auch peinlichen) Formen, die mit Pasta wirklich nichts mehr zu tun haben. Dinge die der Mensch nicht braucht!

Für mich als Römerin ist und bleibt jedoch der Markt von Campo de’ Fiori ein beliebtes Ziel, wenn ich in der Stadt bin. Die Blumen-, Obst- und Gemüsestände sind mit ihren üppigen Auslagen ein absoluter Hingucker und wenn man einige Stände außen vor lässt, dann findet man hier ein qualitativ hochwertiges Angebot. Die Preise sind entsprechend hoch, aber gucken kostet nichts. Ich liebe es, den Standleuten zuzuschauen: wie sie Erbsen pulen, Artischocken putzen oder gar Granatapfelsaft pressen. Erfreue mich an den vielen Tomatensorten, an Steinpilzen und frischen Kräutern. Hier findet der Römer Obst- und Gemüsesorten, von denen jeder Italiener nur träumen kann. Während die Deutschen wahrscheinlich eher schmunzeln, wenn sie hier Rhabarber für 18 Euro das Kilo entdecken. Ein großer Gewürzstand bietet Gewürzmischungen für typisch römische Rezepte. Hier kaufe ich zum Beispiel immer meine „Arrabbiata-Mischung“ aus getrocknetem Chili und geröstetem Knoblauch.

Ich nehme mir die Zeit das Geschehen zu beobachten, die Atmosphäre und die Farben zu genießen, sie förmlich zu riechen und zu schmecken. Dann entferne ich mich vom Trubel des Marktes und begebe mich in die vielen kleinen Gassen rund um den Platz. Dort kaufe ich Brot in einer der besten Bäckereien der Stadt, dem Antico Forno Roscioli, und trinke schließlich gemütlich meinen Kaffee auf der nahen und ruhigeren Piazza Farnese.

Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit zum Genießen nehmen, ansonsten wird man Campo de’ Fiori als Touristenattraktion in Erinnerung behalten.

 

Alexandra Panella