In der Cosmopolitan: Meine Frau wird berühmt (mit Tintenfisch)!

Wer etwas über italienische Coolness und Improvisationsgabe lernen möchte, sollte die folgende Geschichte über meine Frau Laura genießen. Vor einigen Jahren betreute ein Freund von mir bei der Frauenzeitschrift Cosmopolitan (die mit den vielen Sex-Tipps) die Essseiten. Für diese Seiten erfand er eine Serie mit einem etwas sperrigen Titel, der lautete: »Ausländerinnen, die in Deutschland leben, kochen ihr Leibgericht«. Und wie es so ist als Journalist, wildert man in der eigenen Bekanntschaft umher. Mein Freund kam schnell auf mich, also taten wir so, als lebte Laura in Deutschland. Der Fototermin war an einem Samstag im März in München, und Laura kam mit drei Kühlboxen und fünf Tüten aus Grado angerauscht. In ihrem Auto roch es noch wochenlang wie in einer Küche. Wie in einer echten Küche, wohlgemerkt, nicht wie in meiner völlig geruchlosen Schwabinger Temporärsingle-Küche, denn eingetrocknete Ketchup-Tuben riechen ja nach nichts.

 

Laura rückte also am Nachmittag an, und es sollte Risotto mit Tintenfischchen sowie Seebarsch in der Salzkruste geben. Tintenfisch und Seebarsch waren an diesem Morgen noch ihrem Tagwerk im Meer rund um Grado nachgegangen: Laura hatte sie den Fischern vom Boot weggekauft. Auch mein Freund, der Schreiber sowie der Fotograf, der Food Stylist und der Assistent des Fotografen drängten in meine Wohnung, ausgerüstet mit diesen gleißenden Lampen, die wie Filmscheinwerfer aussehen. Vermutlich waren es Filmscheinwerfer. Laura brutzelte drauflos und wurde währenddessen am Herd von links, rechts, oben, vorn und hinten fotografiert. Natürlich zofften sich Fotograf, Food Stylist und Assistent ordentlich, aber das gehört in dieser Branche zum Berufsanforderungsprofil. Inmitten des Chaos rief Laura immer wieder seelenruhig ihren Vater an, der ihr Ratschläge gab, wie man das Risotto machen müsse und wie der Fisch gelänge. In mir keimte ein Verdacht.

 

»Hast du das überhaupt schon mal gekocht?«, fragte ich.

»Nein, noch nie«, antwortete sie. »Hier, probier‘ mal.«

 

Hätte ich auf einem gesessen, wäre ich rückwärts vom Stuhl gefallen. Ich sah schon zehntausende von Cosmopolitan-Leserinnen über der Toilettenschüssel oder gar mit schweren Vergiftungen im Krankenhaus, und meinen Freund gefeuert und verklagt. Glücklicherweise hatte Laura Wein mitgebracht. Ich widmete mich intensiv der Flasche.

 

Was soll ich sagen: Es war ein voller Erfolg! Das Rezept reiche ich in einer der nächsten Kolumnen nach, aber mein Schreiberfreund versicherte mir später glaubhaft, dass er den Salzkrustenbarsch mehrmals zuhause nachgekocht habe; er gelinge immer und nehme stets die perfekte Dosis Salz an.

 

Wer die Geschichte sehen will, kann gern einmal in seiner Cosmopolitan-Sammlung nachschlagen, die ja – neben dem Brockhaus – in jeden guten Haushalt gehört. Es handelt sich um Ausgabe Juni 2000, und der charmante Titel der Story lautet: »Salz auf seiner Haut.«

 

Stefan Maiwald