Italienischer Wein: Kleine Kunde für Anfänger

Italien fasziniert mich seit jeher als ein Land mit unglaublicher kultureller Vielfalt, wunderschönen, abwechslungsreichen Landschaften und einer ausgeprägten Esskultur: Fröhliches Stimmengewirr an einer langen Tafel, Brotkörbe auf dem mit einer rot-weiß-karierten Tischdecke gedeckten Tisch, dazu Wasser und Wein.

Wein gehört als Selbstverständlichkeit zum Essen dazu, genauso wie der Caffè danach. Auf den ersten Blick überwältigt euch die Vielzahl der verschiedenen Rebsorten und Anbaugebiete Italiens vielleicht. Ein grundlegendes Verständnis der wichtigsten Rebsorten und der aus ihnen gewonnen Weine ist jedoch nicht schwer zu erwerben und stößt die Tür zu Italiens einzigartiger Weinvielfalt auf.

Es gibt mehr als 2000 Rebsorten in Italien

Italien zählt nicht nur zu den ältesten Weinbauländern der Erde, mit über 2000 Arten hat das Land auch die meisten Rebsorten der Welt. Nicht wenige davon sind sogar noch griechischen und römischen Ursprungs. Die Besonderheiten des italienischen Weinbaus haben mit der stiefelförmigen Form zu tun. Der lange Bergrücken, der Apennin-Gebirgszug, der sich von den schützenden Alpen bis fast nach Nordafrika streckt, bedeutet, dass hier fast jede wünschenswerte Kombination von Breitengrad, Höhe und Ausrichtung zur Sonne vorhanden ist.

Die bekanntesten Rotweine Italiens

Die berühmtesten Rotweine aus dem Piemont sind DOCG Barolo und DOCG Barbaresco, die mit der Nebbiolo-Traube erzeugt werden. Rote Fruchtaromen und erdige Noten die sich mit zunehmendem Alter zu Nuancen von süßen Gewürzen und vegetabilen Tönen entwickeln können. Eine der bedeutendsten Rotweinregionen im Nordosten ist das Veneto, aus der DOC Valpolicella und Valpolicella Classico kommen. Hochwertige Exemplare haben wunderschöne Fruchtaromen wie Pflaume und Kirsche. Der wichtigste Rotwein Italiens ist jedoch der DOCG Chianti, der aus der Zentraltoskana stammt.

Chianti überzeugt mit Aromen von Pflaumen, erdigen Tönen und Tomatenaromen. Es gibt unzählig viele billige und einfache Chianti. Wenn euch jedoch mal ein DOCG Chianti Classico in die Finger kommt – greift zu. Denn dieser gehört zu den absoluten Spitzenweinen aus ganz Italien. Die Abruzzen sind vor allem für einen Wein bekannt, den DOC Montepulciano d´Abruzzo. Gute Exemplare weisen eine tiefe Farbe mit komplexen Aromen von Pfeffer, Brombeeren und Rosinen auf, während weniger hochwertige Exemplare nur einfach und fruchtig schmecken. In Süditalien gehören zu den wichtigsten lokalen Trauben der Primitivo und Negroamaro, sowie Aglianico. All diese ergeben unheimlich intensive, dunkle Rotweine.

Die bekanntesten Weißweine Italiens

Natürlich darf man auch die Weißweine Italiens nicht vergessen. Pinot Grigio, eine Sorte die ich besonders zu schätzen gelernt habe, gibt es in ganz Italien. Die besten Weine dieser Rebsorte kommen aber aus dem Nordosten. Ein bodenständiges Exemplar schmeckt trocken und hat einen relativ neutralen Charakter, während bessere Weine sogar verführerische Noten von Nüssen und Honig aufweisen.

Die am weitesten verbreitete Traubensorte ist Trebbiano, wobei jedoch der Großteil als Verschnitt für einfache Weine benutzt wird. Aus dem Piemont kommt der DOCG Gavi. Das sind leichte, säurehaltige Weine, die schöne Zitrusaromen zeigen. Zu guter Letzt nun noch der Verdicchio: Auch ein recht säurehaltiger Wein, der gelegentlich Aromen von Fenchel und Zitronen aufweist und hauptsächlich in den Marken zu finden ist.

Die Qualitätsstufen italienischer Weine

1. DOCG – Spitzenweine (ca. 5 %) Die Abkürzung „DOCG“ steht für „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ italienisch für „kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung“ und bezieht sich auf die oberste italienische, staatlich kontrollierte Qualitätsstufe für Weine bei denen nur bestimmte Sorten in festgelegten Region angebaut werden dürfen. DOCG-Weine müssen im Anbaugebiet in Flaschen abgefüllt werden und dürfen beispielsweise nicht in Tanks transportiert und an einem anderen Ort abgefüllt werden.

2. DOC – Qualitätsweine (ca. 25 %) „Denominazione di origine controllata“, italienisch für „kontrollierte Ursprungsbezeichnung“, bezeichnet Weine der mittleren Qualitätsstufe, bei denen sowohl der Herkunftsort und die verwendete Rebsorte streng kontrolliert werden um nicht etwa einen Wein, der beispielsweise im Piemont angebaut wurde, als einen Wein aus den Abruzzen zu verkaufen. Die Bezeichnung sichert zum einen den Weinbau in der geschützen Region und bietet Verbrauchern Orientierung und schützt vor Täuschungen.

3. IGP/IGT – Landweine (ca. 30 %) Bei den mit „Indicazione Geografica protetta/tipica“ bezeichneten Weinen handelt es sich um die niedrigste Qualitätsstufe des streng kontrollierten italienischen Weins. Diese niedrige Einstufung hat aber nichts mit der geschmacklichen Qualität zu tun, sondern ergibt sich oft daraus, dass beispielsweise qualitativ höherwertige Weine als IGT-Weine verkauft werden müssen, wenn diese Rebsorten enthalten, die nach den lokalen DOCG/DOC-Vorschriften nicht verwendet werden dürfen.

4. Vino de tavola – ähnlich deutschen Tafelweinen (ca. 40 %) In der Praxis sind die Qualitätsstufen, bei denen es in erster Linie um die Herkunft und das Bezeichnungsrecht geht, nicht immer so einfach nachzuvollziehen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass euch ein einfacher Chianti von einem ambitionierten Winzer, der die Herkunftsbezeichnung im Sinne des Erfinders benutzt, besser schmeckt, als der vermeintlich hochwertige. Aber hier gilt: Nur durch Probieren kann der Gaumen dazulernen.

Mit diesen Grundsätzen an der Hand könnt ihr euch immer weiter „schluckzessive“ an das faszinierende und genussvolle Thema Wein heranwagen. Viel Spaß dabei wünscht Verena Becker!