Kulinarische Geschichten: Südtirol

Was verbindet ihr mit Südtirol? Wenn ich an die nördlichste Provinz Italiens denke, dann gerate ich sofort ins Schwärmen: wunderschöne Naturparks, die faszinierenden Gebirgszüge, die das Landschaftsbild prägen, Apfelplantagen, Gastfreundlichkeit, deftige Bergküche wie Knödel und Speck und zugleich mediterrane Leichtigkeit in den Städten.

Zu Gast auf dem Hof der Familie Gilli

Genau aus diesem Grund habe ich mich entschieden, auch dieses Jahr wieder eine Woche in Südtirol zu verbringen. Und dies nicht direkt in der Stadt, sondern oberhalb von Meran auf ca. 1000m Höhe im Familienbetrieb der Familie Gilli, der von Silvia Gilli geführt wird, die jeden Reisenden herzlichst mit individuellen Wanderrouten, einheimischen, kulinarischen Tipps und selbstgebranntem Obstschnaps empfängt.

Kulinarische Spezialitäten aus Meran und Umgebung

Kulinarisch hat die Region einiges zu bieten. Auffällig oft handelt es sich hierbei um Produkte, die sehr lange haltbar sind, was gerade früher auf den Bergbauernhöfen ein wichtiger Faktor war. Am wohl bekanntesten ist der Südtiroler Speck. Dabei ist dies eigentlich eher ein Schinken, der aus der hochwertigen Keule hergestellt wird. Bei traditioneller Herstellung wird dieser gepökelt, lange über Buchenholz geräuchert und dann an der Luft getrocknet. Weitere Fleischspezialitäten sind die sogenannten Kaminwurzen. Das sind kräftig gewürzte und luftgetrocknete Würste die meistens aus Rind- und Schweinefleisch bestehen.

Das charakteristische Brot aus der Region erscheint zunächst vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig. Vinschgauer sind kleine Fladenbrote aus Sauerteig, die besonders gerne mit Kümmel, Koriander oder Fenchelsamen gewürzt werden. Schüttelbrot zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es wie Knäckebrot hart, knusprig und lange haltbar ist. In Meran könnt ihr vor allem Fleisch- und Wurstwaren sehr gut bei Siebenförcher erwerben.

Marende – die typische Allgäuer Brotzeit

All diese Köstlichkeiten werden gerne zu der Südtiroler Marende gereicht, die Brotzeit: ein großes Holzbrett mit Käse, Kaminwurzen, Speck, sauren Gurken, Äpfeln und einem Glas Wein. Wer kann da nach einer langen, anstgrengendden Wandertour schon widerstehen?

Auch als Weingebiet hat sich Südtirol mit drei gebietsheimischen Rebsorten einen Namen gemacht. Als Weißwein findet man oft den aromatischen, körperreichen Gewürztraminer. Aus der Vernatsch-Traube erhält man ungewöhnlich leichte, hellrote Weine, die man auch an lauen Sommerabenden hervorragend genießen kann. Außerdem gibt es die rote Rebsorte Lagrein, aus der Rosé- und Rotweine gekeltert werden, die oft sehr säure- und tanninhaltig sein können.

Was mir an der Südtiroler Küche vor allem gefällt, ist das Aufeinandertreffen der rustikalen Tiroler Hausmannskost mit der italienisch-mediterranen küche. Wenn ihr gerne ehrliche Bergküche auf gehobenem Niveau essen möchtet, empfehle ich euch den Gasthof Oberlechner in Vellau. Hier findet ihr neben klassischen Gerichten wie Schlutzkrapfen und Mehlspeisen eine große Vielfalt an sehr kreativen, regionalen Speisen und eine gute Weinauswahl. Innerhalb der Städte Meran und Bozen wimmelt es geradezu von italienischen Restaurants, in denen man sich wunderbar mit Pasta und Pizza verwöhnen lassen kann. Spannend sind auch die Symbiosen dieser beiden Küchen, wenn bspw. deftige Fleischbrühe und italienische Tortellini in einer Suppe aufeinander treffen.

Und wenn ihr euch während des Aufenthalts in Südtirol, so wie die meisten Reisenden in der Gegend, viel bewegt und in den Bergen rumklettert, dann könnt ihr euch auch reuelos durch alle köstlichen Spezialitäten durchprobieren, ohne das eine oder andere Souvenir auf der Hüfte mit nach Hause zu bringen.

 

Verena Becker