Torrone dei Poveri zum Lucia Fest

Italiener sind wahnsinnig gut in dem, was man in Deutschland »Armeleuteessen« nennt. Hierzulande holen wir langsam auf – so wie Kalbskopf, das einstige Abfallprodukt der Schlachtung, längst wieder eine begehrte Spezialität geworden ist und deutsche Spitzenköche ihre Liebe zum lange verschmähten Kartoffelbrei wiederentdeckt haben.

 

Aber schon Max Goldt wusste: Südliche Länder sind süßliche Länder und deswegen kommen wir schnell vom Kalbskopf zum Dessert. Der Torrone ist ein ebenso fantastisches wie bretthartes Gebäck aus Zucker, Honig und Mandeln oder Haselnüssen. Er ist in Italien wie auch in Spanien, woher er vermutlich stammt, ein typisches Adventsnaschwerk und zahlt allen Zahnärzten einen Großteil der Leasingraten ihrer SUVs

Italiener sind wahnsinnig gut in dem, was man in Deutschland »Armeleuteessen« nennt. Hierzulande holen wir langsam auf – so wie Kalbskopf, das einstige Abfallprodukt der Schlachtung, längst wieder eine begehrte Spezialität geworden ist und deutsche Spitzenköche ihre Liebe zum lange verschmähten Kartoffelbrei wiederentdeckt haben.

Aber schon Max Goldt wusste: Südliche Länder sind süßliche Länder und deswegen kommen wir schnell vom Kalbskopf zum Dessert. Der Torrone ist ein ebenso fantastisches wie bretthartes Gebäck aus Zucker, Honig und Mandeln oder Haselnüssen. Er ist in Italien wie auch in Spanien, woher er vermutlich stammt, ein typisches Adventsnaschwerk und zahlt allen Zahnärzten einen Großteil der Leasingraten ihrer SUVs

 

In Italien wird er meistens mit einer dünnen Schicht Esspapier überzogen, was praktisch ist, weil die Finger nicht verkleben. Aber viele Generationen lang konnten sich manche Menschen keinen Torrone leisten, denn die süßen Zutaten und vor allem die Nüsse waren teure Spezialitäten. Also erfanden sie den Torrone dei poveri, eine klebrige Masse aus den preiswerteren Kichererbsen und Zucker. Noch heute wird dieser Torrone dei poveri zum Lucia-Fest zubereitet, auch wenn die heutige Massenproduktion den Torrone classico für alle erschwinglich gemacht hat. Das Lucia-Fest wird am 13. Dezember gefeiert und ist in Italien ein recht bedeutendes Ereignis.


Schließlich ist Lucia von Syrakus, die um das Jahr 300 lebte, sich nicht zwangsverheiraten lassen wollte und deswegen unter der Folter starb, eine der beliebtesten Heiligen (und, falls es euch interessiert, die Schutzpatronin der reuigen Dirnen). Noch im Mittelalter bekamen die kleinen Italienerinnen und Italiener am 13. und nicht am 24. Dezember ihre Geschenke.


Inzwischen ist das Lucia-Fest nicht mehr ganz so groß wie einst; an manchen Orten wird es mit Prozessionen und Gottesdiensten begangen, meistens in Süditalien, aber beispielsweise auch in Bologna und Verona. Nur der Torrone – der darf am 13.12. nirgends fehlen, ob nun in der »klassischen« oder der »armen« Variante.


Mag auch der Torrone dei poveri als Armenspeisung etwas aus der Mode gekommen sein: Ein schöner Brauch, der ganz konkret den Bedürftigen hilft, ist der caffè sospeso, der besonders in und um Neapel verbreitet ist. Und so funktioniert er: In einer Bar trinkt man seinen Kaffee, zahlt aber zwei – einen für sich und „einen Aufgeschobenen“ für den Nächsten, der kommt und nicht so viel Geld hat. Der Barista notiert sich den aufgeschobenen Kaffee, bis jemand danach fragt. Ohne viel Aufwand tut man so auf ganz elegante Art etwas Gute

 

In Italien wird er meistens mit einer dünnen Schicht Esspapier überzogen, was praktisch ist, weil die Finger nicht verkleben. Aber viele Generationen lang konnten sich manche Menschen keinen Torrone leisten, denn die süßen Zutaten und vor allem die Nüsse waren teure Spezialitäten. Also erfanden sie den Torrone dei poveri, eine klebrige Masse aus den preiswerteren Kichererbsen und Zucker. Noch heute wird dieser Torrone dei poveri zum Lucia-Fest zubereitet, auch wenn die heutige Massenproduktion den Torrone classico für alle erschwinglich gemacht hat. Das Lucia-Fest wird am 13. Dezember gefeiert und ist in Italien ein recht bedeutendes Ereignis.

Schließlich ist Lucia von Syrakus, die um das Jahr 300 lebte, sich nicht zwangsverheiraten lassen wollte und deswegen unter der Folter starb, eine der beliebtesten Heiligen (und, falls es euch interessiert, die Schutzpatronin der reuigen Dirnen). Noch im Mittelalter bekamen die kleinen Italienerinnen und Italiener am 13. und nicht am 24. Dezember ihre Geschenke.

Inzwischen ist das Lucia-Fest nicht mehr ganz so groß wie einst; an manchen Orten wird es mit Prozessionen und Gottesdiensten begangen, meistens in Süditalien, aber beispielsweise auch in Bologna und Verona. Nur der Torrone – der darf am 13.12. nirgends fehlen, ob nun in der »klassischen« oder der »armen« Variante.

Mag auch der Torrone dei poveri als Armenspeisung etwas aus der Mode gekommen sein: Ein schöner Brauch, der ganz konkret den Bedürftigen hilft, ist der caffè sospeso, der besonders in und um Neapel verbreitet ist. Und so funktioniert er: In einer Bar trinkt man seinen Kaffee, zahlt aber zwei – einen für sich und „einen Aufgeschobenen“ für den Nächsten, der kommt und nicht so viel Geld hat. Der Barista notiert sich den aufgeschobenen Kaffee, bis jemand danach fragt. Ohne viel Aufwand tut man so auf ganz elegante Art etwas Gute