Linguine – eine Spaghetti-Variation

Schätzungen zufolge gibt es etwa 200 verschiedene italienische Pastasorten und neue Formen kommen ständig hinzu. Oft sind es nur feine Variationen, deren Unterscheidung sogar Profis schwerfällt. Aber bei der Auswahl der Pasta kommt es in Italien eben auf die Abwechslung und vor allem auf die Feinheiten an. Linguine ist eine relativ bekannte Pastaform, deren Name wörtlich übersetzt „kleine Zungen“ bedeutet. Die langen, dünnen Nudeln, sehen den allseits beliebten Spaghetti auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Schaut man aber genauer hin, erkennt man den Unterschied. Im Gegensatz zu Spaghetti sind Linguine nicht rund, sondern flach – eine dünne Bandnudel also. In gegartem Zustand erreicht die Linguine eine maximale Breite von 4 mm. Ihre Länge liegt bei etwa 26 cm - damit ist sie genauso lang wie die Spaghetti. Die Linguine gehört zu den sogenannten „pasta secca“. Die trockenen Nudeln werden ohne Eier und ausschließlich aus Hartweizengrieß und Wasser hergestellt, in die gewünschte Form gestanzt und danach getrocknet. Der Beschluss, dass Pasta nur aus diesen Zutaten bestehen darf, stammt aus dem Jahr 1547. Noch heute ist diese Rezeptur für die italienischen Pastafabrikanten bindend. Nur die so genannten „pasta fresca“ (frische Nudeln) dürfen in Italien auch Ei enthalten. 

Linguine, Trenette oder Bavette

Eine Pastasorte hängt nicht nur mit der Breite oder Machart zusammen. Auch auf die Gegend, aus der die Nudel stammt, kommt es an. Die Heimat der Linguine heißt Kampanien. Die Region im Süden Italiens mit der Hauptstadt Neapel erstreckt sich an der tyrrhenischen Küste von der Mündung des Garigliano bis zum Golf von Policastro. Viele Spezialitäten, die man heute als typisch Italienisch bezeichnet, stammen aus dieser Region: darunter Mozzarella di bufalo (Büffelmozarella), die Carbonara aus Knoblauch, Eigelb, Speck, Pecorinokäse, Salz und Pfeffer oder die Spaghetti Pomodoro (Spaghetti mit Tomatensauce). Neben den Linguine kommen übrigens auch die berühmten Pastasorten Spaghetti und Makkaroni aus Kampanien. Und auch in Ligurien, der Küstenregion in Nordwestitalien, werden traditionell Linguine gegessen. In der Gegend um Genua heißen sie allerdings Trenette oder manchmal auch Bavette. Sie sind hier die typischen Begleiterinnen der sogenannten „Pesto alla Genovese“. Das grüne Pesto ist mit Abstand die berühmteste ligurische Spezialität. Eine beliebte Pastavariation dieser Region ist außerdem „Linguine alle vongole“: Für die Zubereitung verwendet man frische Venusmuscheln, die mit Weißwein, Olivenöl, Knoblauch, Petersilie und manchmal auch Tomaten so lange gekocht werden, bis sich die Schalen der Muscheln öffnen. 

Linguine-Rezept

Hier geht es zu unserem besten Linguine-Rezept: Linguine mit Spargel und Meeresfrüchten.

Zum Rezept

Linguine und die berühmteste grüne Sauce der Welt

Zerkleinern Sie Basilikum, Pinienkerne, Knoblauch, Parmesan, Salz und kaltgepresstes Olivenöl mit einem Mörser – fertig ist das Pesto alla Genovese. Das Originalrezept der klassischen Pestosoße erscheint erstmals 1865 im Buch „Cuciniera genovese“ der Gebrüder Ratto aus Genua. Seither hat es sich kaum verändert, auch wenn es verschiedene Variationen, zum Beispiel mit Kartoffeln oder Bohnen gibt. Das Geheimnis der Herstellung liegt im Detail – jeder ligurische Haushalt besitzt sein eigenes Rezept. Doch in einem sind sich alle einig: Basilikum und Olivenöl müssen aus Ligurien stammen. Wie ernst man es hier mit dem Pesto meint, kann man alle zwei Jahre bei der internationalen Weltmeisterschaft des Pesto Genovese in Genua erleben. Wussten Sie, dass Basilikum in Ligurien als kultureller Schatz gilt und mittlerweile sogar Herkunftsschutz nach IGP (Indication Géographique de Provenance) genießt? Denn nur Basilikum, das wirklich aus der Gegend um Genua stammt, darf den Namen „Basilico Genovese" tragen. „Trenette con il Pesto alla Genovese“ ist wohl das berühmteste Nudelgericht mit dem grünen Pesto. Aber neben den ligurischen Linguine passt es ebenso zu vielen anderen Pastasorten oder Gnocchi. Auch zum Würzen von gekochtem Gemüse oder zu feinem Lammfleisch kommt es in der italienischen Küche zum Einsatz.