Tortellini – Liebe geht doch durch den Magen

Tortellini sind ein Pastaklassiker der italienischen Küche. Als Heimat der kleinen, ringförmigen, gefüllten Nudelknoten gilt Bologna in der Region Emilia Romagna. Hier rühmt man sich, die Tortellini erfunden zu haben. Als Inspiration dient die schöne Form des Bauchnabels der Göttin Venus. Der Legende zufolge wartete einst Venus, die Göttin der Liebe, in einem Wirtshaus im Castelfanco Emilia auf Jupiter. Durch das Schlüsselloch ihres Zimmers soll der Koch einen Blick auf ihren Bauchnabel erhascht und ihm zu Ehren die Tortellini erfunden haben. Seit 1974 sind die Tortellini als traditionelle Bologneser Spezialität bei der Handwerkskammer in Bologna eingetragen. Zubereitet als Tortellini al brodo (Tortellini in Fleischbrühe) gilt sie hier als typisches Sonntagsgericht. Und auch zu Weihnachten isst man Tortellini al brodo in ganz Italien traditionell am 25. Dezember als erste Vorspeise.

Tortellini – eine Nudel, viele Variationen

 Im Inneren der Tortellini versteckt sich eine leckere Füllung, die ganz unterschiedlich sein kann. Die kleinen Tortellini sind in der Regel mit Fleisch gefüllt. Man nennt sie auch Carpelletti und verwendet sie traditionell als Suppennudeln. Die Füllung mittelgroßer Tortellini enthält verschiedenste Zutaten wie zum Beispiel Fleisch, Frischkäse, Pilze oder Gemüse. Man serviert sie in der Brühe oder mit Soßen. Tortelloni, wie man die größere Variante nennt, haben einen Durchmesser von 3-4 cm. Die Füllung besteht oft aus Ricotta oder Gemüse. Zu Tortelloni passt am besten eine Tomatensoße. Die gefüllten Pasta lassen sich noch anderweitig einsetzten: Auch in Aufläufen, Pfannengerichten oder Nudelsalaten sind sie sehr beliebt. 

Übrigens: Tortellini heißt übersetzt zu viel wie „kleine Törtchen“. Etymologisch handelt es sich um die Mehrzahl von „tortellino“, eine Verkleinerungsform von „torta“, das im Lateinischen „Gebäck“ bedeutet. Gefüllte Nudeln werden in Italien allgemein „pasta riepena“ genannt. Die Grundlage bildet ein Teig mit frischen Eiern. Diese Zutat sorgt dafür, dass der Teig geschmeidig und leicht formbar ist. Neben Tortellini, Tortelloni und Carpelletti gehören auch Ravioli in die Kategorie der „pasta riepena“. 

Liebesknoten aus Valeggio

Am südlichen Gardasee in der kleinen Gemeinde Valeggio sul Mincio haben Tortellini eine lange und romantische Tradition. Und auch in dieser Geschichte geht es um die Liebe. Der Legende zufolge erfand man die gefüllten Teigtaschen in Valeggio zum Andenken an ein ungleiches Liebespaar. So verlieben sich Ende des 14. Jahrhunderts ein junger Hauptmann namens Malco und die schöne Nymphe Silvia unsterblich ineinander. Immer vor Sonnenaufgang muss die Wassernymphe jedoch in den Fluss zurückkehren. Als Pfand ihrer Liebe übergibt sie Malco ein goldenes Taschentuch mit einem lockeren Knoten. Die geheime Liebe der beiden bleibt aber nicht unentdeckt und die schöne Silvia wird als Hexe denunziert. Die letzte Chance für ihre Liebe: Malco folgt ihr in die Unterwasserwelt. Am Ufer des Flusses hinterlassen sie das geknotete Taschentuch. Seither ist es in Valeggio Brauch, an Festtagen einen dünnen Nudelteig auszurollen und daraus lauter kleine Tortellini zu formen. Die „Nodi d'amore" (Liebesknoten) werden in Valeggio ausschließlich per Hand zubereitet und in zerlassener Butter mit frischen Salbeiblättern serviert. Zu Ehren der Liebesknoten findet seit 1993 immer am dritten Dienstag im Juni das „Festa del nodo d'amore" statt. Dafür stellt die Stadt auf der Viscontibrücke zwei 600 Meter lange Tische für 4000 Gäste auf. Nach einem Aperitif und Antipasti kommt der eigentliche Höhepunkt des Festes auf den Tisch: handgemachte Tortellini di Valeggio. 

Tortellini können schwimmen

Das Zubereiten von Tortellini ist eigentlich ganz leicht: Bringen Sie das Nudelwasser zum Kochen und geben Sie die Tortellini hinein. Meist dauert die Garzeit nur etwa 2 Minuten. Aber auch ohne Uhr können Sie leicht erkennen, wann die Tortellini fertig sind – nämlich dann, wenn sie oben schwimmen. Warum steigen Tortellini eigentlich nach oben, sobald sie gar sind? Der Teig der Tortellini besteht hauptsächlich aus Stärke und ist mit winzigen Luftporen durchsetzt. Wirft man sie ins Wasser, dringt Feuchtigkeit in die Poren. Die Stärke nimmt im kalten Zustand das Wasser auf und die Nudeln sinken im Topf auf den Boden. Werden sie jedoch erhitzt, verändert sich die Struktur der Stärke. Sie gibt Wasser ab und wird leichter. Dadurch steigen die Tortellini an die Oberfläche.